Zeichnen mit einem Augenzwinkern
Manfred Schlüter in der Schülerbücherei Hinsbleek

„Ich frei mi so, dat ick herkomen dä, um di ´n lütt beten vunn  mine Arbeed to vertell´n!“
Mit diesen, im schönsten friesischen Platt in den gemütlichen Bart gegrummelten Worten begrüßt Manfred Schlüter am 27. November seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer der Integrativen Grundschule Hinsbleek. Die Kinder lauschen erst ungläubig seiner „Geheimsprache“, äußern dann Unverständnis und schon hat Manfred Schlüter die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Natürlich wechselt er nun ins Hochdeutsche über, erzählt von seiner Heimat und von seiner Arbeit. Das heißt, eigentlich erzählt er nicht, nein, er spinnt Erzählfäden, hält inne, befragt sich selbst, reagiert auf jede Frage der Kinder und baut alles in seine Erzählung ein. Jede noch so kleine Erscheinung, jeder Gegenstand, jedes Rätsel wird zum wunderlichen Wesen. Vor allem die auf Zuruf von ihm gezeichneten Objekte: Die gezeichnete Schreibtischlampe – wichtiges Requisit seines Arbeitsplatzes in Hillgroven, einem 68-Seelen-Ort bei Wesselburen in Dithmarschen - geht wie von Geisterhand an, Ganz ohne Strom! Aus den gezeichneten Farbtuben spritzen plötzlich Rot, Gelb, Blau und Deckweiß, dass man einen Schrecken bekommt. Der gezeichnete Drache beginnt mit dem Schmetterling ein anregendes Gespräch – wie im Buch vom Lindwurm und dem Schmetterling, das Manfred Schlüter, wie so viele andere Schöpfungen, zusammen mit Michael Ende , dem Autor von „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ verfasst hat.

Manfred Schlüter, 53 Jahre alt, ist seit über 25 Jahren im Geschäft. Viele Bilderbücher („Der Lindwurm und der Schmetterling“, „Tranquilla Trampeltreu, die beharrliche Schildkröte“) sind den Erwachsenen noch aus Kindheit und Jugend bekannt. Die Zeichnungen Schlüters haben die Wesen Michael Endes auf liebevolle und farbenfrohe Weise zum Leben erweckt. Seit 10 Jahren veröffentlicht der begnadete Zeichner und Maler auch eigene Geschichten, nennt sich auch Gedichtebastler und Geschichtenschreiber.

Die Zeit in der Schülerbücherei vergeht für Kinder und Erwachsene wie im Nu. Immer wieder zieht Manfred Schlüter eine neue Überraschung aus der Tasche, wenn er, so scheint es, seiner Hand Befehle gibt, diesen oder jenen Strich auszuführen. Wie ein Film im „Entwicklungsbad“ entfalten sich die Gegenstände, Schriften oder Tiere auf dem großen Zeichenblock. In der Reaktion der Kinder ist etwas zu ahnen von der Magie der Schriftzeichen, Höhlenbilder und Spuren früher Menschheitsjahre, einer Zeit ohne Digital-Kamera und Video-Clips. Die Zuschauer möchten wissen, wie der Strich zur Form, wie die Form mit anderen Formen zum Bild wird, zum Abbild – der äußeren wie der inneren Welt. Neben der Aktion, dem Dialog, dem Hören und Zuhören kam der Humor nicht zu kurz – hintergründig, norddeutsch, ein wenig schelmisch.

Den Kindern hat´s gut gefallen, den Erwachsenen auch. Alle erlebten sie kurzweilige Stunden – Vergnügen und Entspannung inmitten des Schulalltags - und spendeten reichlich Beifall. Sie freuen sich schon auf die nächste Autorenlesung in der schuleigenen Bücherei Hinsbleek. (Nähere Hinweise unter www.grundschule-hinsbleek.de)
 

Wolfgang Mahns